Bandscheibenvorfall beim Hund - Diskuspathie/Dackellähmung

Als "Dackellähmung" ist es berüchtigt: für Jahrzehnte bedeutete die Dackellähme als Folge eines Bandscheibenvorfalls (Prolaps) das Ende eines fröhlichen, lebhaften Hundes. Heute gibt es gute Möglichkeiten zu Therapie des Bandscheibenvorfalls beim Hund.

Inhalt:

  1. Anatomie der Bandscheibe
  2. Folgen des Bandscheibenvorfalls für den Hund: Dackellähmung, Nervenschmerz und Schwäche
  3. Einteilung des Bandscheibenvorfalls nach klinischen Anzeichen
  4. ein Bandscheibenvorfall bedeutet Stress und Schmerzen
  5. Behandlung des Bandscheibenvorfalls

Bandscheibenvorfall und Discusprolaps

Nicht nur Dackel leiden unter Bandscheibenvorfall - auch Jack-Russel-Terrier, Yorkshire-Terrier, Beagle, Möpse, Bully (Französische Bulldogge), nur um einige zu nennen. Diese Rassen erkranken daran relativ oft. Aber auch größere Hunde sind betroffen. In meiner eigenen Praxis war es zum Beispiel der Golden Retriever, Labrador oder der Bayerische Gebirgsschweisshund. Auch Schäferhunde leiden oft unter einer Discopathie, einer schmerzhaften, krankhaften Veränderung der Bandscheiben.

Anatomie der Bandscheibe beim Hund

Die Bandscheibe liegt als Puffer zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule. Sie besteht aus einem bindegewebigen Ring (Anulus fibrosus) um eine Art verformbares Gelkissen, dem Nucleus pulposus. Der Ring hält das Gel-Kissen am Ort fest. Er sorgt so dafür, dass bei Bewegungen der Druck auf das Kissen nicht zum Druck auf das Rückenmark mit den empfindlichen Nervensträngen wird. So kann die Wirbelsäule einerseits so effektiv Stöße dämpfen und sich andererseits an die Bewegungen anpassen.

Beim Bandscheibenvorfall reißt der Bindegewebering, und das ,Gelkissen‘ drückt auf die Nervenfasern. Der unterschiedliche Schweregrad der Symptome entsteht durch die Stelle, an der die Wirbelsäule betroffen ist, und am Grad des Druck auf das Rückenmark. Geschieht der Vorfall weiter oben Richtung Kopf, ist das schlimmer. Es reißt auch nicht immer der gesamte Bindegewebsring. Wenn nur einige Fasern nachgeben, geschieht der Vorfall langsamer, und weniger Material kann wird in den Rückenmarkskanal gedrückt - ein 'Vorfall'.

Bei kleinen Hunde-Rassen (chondrodystrophen Rassen) handelt es sich um eine „angeborene Schwäche“, die zur Dackellähmung führen kann. Bei ihnen verändern sich die Bandscheiben schneller. Das Gelkissen verkalkt früh. Der Bandscheibenvorfall kann bei ihnen in jungen Jahren bereits auftreten: mit drei, vier, fünf Jahren. Weil Dackel durch ihren langen Rücken einerseits, Ihre Lebensfreude und ihre Veranlagung häufig betroffen waren, kam es zu dem Namen: Dackellähmung.

Der Bandscheibenvorfall - immer schmerzhaft

das Foto zeigt einen kleinen Hund (Corgi-Mix) auf dem Untersuchungstisch: es gibt Rassen, die häufiger unter einem Bandscheibenvorfall leiden
manche Hunde-Rassen leiden häufiger unter einem Bandscheibenvorfall. Vor allem kleine Hunde mit relativ langem Rücken sind betroffen.

Bei plötzlichen Bewegungen im Spiel oder bei Sprüngen können die Bandscheiben auf das Rückenmark drücken. Wenn der Fasering reißt und Druck auf das Rückenmark entsteht, sind Lähmungserscheinungen und Schmerzen die Folge - die Dackellähmung. Typisch ist zum Beispiel der Sprung vom Sofa als Auslöser. Und immer kann es einfach nur „Pech“ sein.

Je nach Schwere der Veränderung unterscheidet man zwischen einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) und einem Vorfall (Prolaps). Beides kann den Rückenmarkskanal in der Wirbelsäule verengen und/oder die Nervenwurzeln reizen. Beide sind extrem schmerzhaft.

  • meist ist der Übergang zwischen Brustwirbelsäule und der sehr beweglichen Lendenwirbelsäule betroffen - rund 70% der Bandscheibenvorfälle finden hier statt
  • Bandscheibenvorfälle im der Bereich der Lendenwirbelsäule sind ebenfalls häufig
  • der Hals ist seltener von einem Bandscheibenvorfall betroffen. Die Auswirkungen sind aber schwer für den Hund: jede Bewegung schmerzt, selbst das Fressen

Die typische Dackellähumg wird durch einen Bandscheibenvorfall ab dem Ende des Brustkorbes verursacht - zwischen den vorletzten und letzten Brustwirbeln oder in der Lendenwirbelsäule.

Folgen für den Hund:

  • Schmerzen: bereits leichte Vorfälle sind sehr, sehr schmerzhaft. Es sind Nervenschmerzen - wie Zahnschmerzen. Sie führen zu Verkrampfung der Muskulatur - und so wird die Bandscheibe noch mehr zusammengedrückt.
  • Je nach Schwere des Schadens für das Rückenmark fallen Reflexe aus: die Halte-und Stellreflexe sind die ersten, die verloren gehen. Der Hund läuft wackelig und unsicher.
  • Die Kontrolle über Blase und Darm kann verloren werden - der Hund kann unsauber werden.
  • Können keine Nervenimpulse mehr durch das Rückenmark geleitet werden, kommt es zu einer Lähmung: eine Lähmung der Hinterbeine, wenn der Bandscheibenvorfall im Bereich der Brust-oder Lendenwirbelsäule liegt; oder sogar einer vollständigen Lähmung des Hundes.

Einteilung Bandscheibenvorfall

Es gibt sehr viele ältere Hunde (nicht nur Dackel), die vor jeder Bordsteinkante und jeder Treppenstufe zögern. Die beim Aufstehen eine Pause machen und Treppen vorsichtig heruntergehen. Die Bewegung schmerzt sie - das geringe Durchdrücken ist schon zuviel für ihren Rücken.

  • Dies entspricht dem Schweregrad I eines Bandscheibenvorfalls. (Das heißt nicht, dass all diese Hunde unter einem Bandscheibenvorfall leiden. Es gibt noch andere Gründe für Rückenschmerzen. Hier finden Sie eine Liste, wie Sie  Anzeichen für Rückenschmerzen bei Ihrem Hund selbst erkennen können)
  • Im Grad II sind die Schmerzen deutlicher erkennbar. Auch Berührungen schmerzen jetzt - die Hunde können sich ängstlich zeigen oder schnappen, wenn man sie anfassen will. Sie vermeiden alle Bewegungen.
  • Im Grad III  eines Bandscheibenvorfalls sind die Schmerzen noch stärker. Dazu kommen jetzt die ersten Ausfälle von Nerven. Die Hunde laufen unsicher - wenn man sie zum Laufen zwingt. Bei der neurologischen Untersuchung reagieren sie verzögert. Bei ihnen ist die Weiterleitung der Nervenimpulse durch das Rückenmark verzögert.
  • Im Grad IV ist zusätzlich auch die Tiefensensibilität gestört oder ausgefallen. Die Halte- und Stellreflexe des ZNS, die für den automatisch leichten Gang sorgen, sind ausgefallen. Die Hunde laufen unkoordiniert - eine Ataxie.
  • Im Schweregrad V sind die Hunde gelähmt - es ist die typische ,Dackellähmung‘.

(Diese Einteilung orientiert sich an "Lasertherapie und Laserpunktur bei Hund und Katze, von Anja Füchtenbusch und TA Peter Rosin)

Bandscheibenvorfall bedeutet Schmerzen und Stress

Für die Hunde ist ein Bandscheibenvorfall extrem schwierig zu verstehen. Von einer Minute zur anderen leiden sie unter extremen Schmerzen bei Bewegungen, die für sie natürlich sind. Sie empfinden die Schmerzen beim Diskusprolaps wie eine völlig unverständliche Bestrafung. Manche reagieren mit Aggressivität auf die Schmerzen, andere werden scheu und ziehen sich zurück.

Stress bedeutet die Aktivierung der Kampf-oder-Flucht-Reaktionen des Körpers - bei so aktiven Hunden, wie man sie oft bei Terriern und Dackeln findet. Andere werden zu "stummen Duldern" bei Stress. Beide Typen aber leiden sehr unter den Schmerzen.

Behandlung des Bandscheibenvorfalls

ein Dackel sieht sich nach hinten um: bei einem Bandscheibenvofall im Halsbereich wäre das nicht möglich
Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule: Schmerzen und Bewegungsunlust sind die Folge

Die Absicht hinter jeder Behandlung eines Bandscheibenvorfalls beim Hund ist, Druck vom Rückenmark zu nehmen. Dann können die Nerven wieder funktionieren.

Oft heilt ein Bandscheibenvorfall ohne Operation. Aber es ist ein hochschmerzhafter Zustand. Er sollte als Notfall betrachtet und sofort(!) behandelt werden.

Bei einer akuten Lähmung mit Ausfall der Reflexe ist eine Operation wahrscheinlich die beste Behandlung. Sie sollte schnell stattfinden. So sind die Nerven nicht zu lange von der Blutversorgung abgeschnitten. Die Operation sollte dann schnellstens stattfinden. Ein paar Tage zu spät sind zu spät. Das Zeitfenster, in dem diese komplizierte Operation erfolgversprechend ist, ist sehr kurz.

Ist der Zeitpunkt für eine Operation versäumt worden - oder eine OP ist nicht nötig, kann der Hund sehr gut mit Akupunktur und /oder Homöopathie behandelt werden. Akupunktur kann in der Therapie des Bandscheibenvorfalls beim Hund besser wirken als jede reine Schmerzbehandlung.

Die chronischen und akuten Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall können gut durch Akupunktur und/oder eine homöopathische Behandlung gebessert werden. Sogar Lähmungen (Dackellähmung) oder bereits seit langem bestehende Schwäche der Hinterbeine kann erfolgreich therapiert werden. Ist der Zeitpunkt für eine Operation vorbei, ist die Akupunktur eine sehr wirkungsvolle und hilfreiche Therapie. Sie stimuliert die Heilung der Nerven nicht nur beim Dackellähmung meist erfolgreicher als eine medikamentelle (Schmerz-)Behandlung. Aber auch nach einer Operation kann sie gut unterstützen. Europäische Heilkräuter oder eine passende Chinesische Kräutermischung können Ihrem Hund helfen, trotz der Discopathie wieder fröhlich zu laufen. Sogar ein Hund, der nach der Operation gelähmt war, kann wieder laufen - dank Akupunktur und Homöopathie.

Auch der ,Hexenschuss‘ der Hunde, ein sehr schmerzhafter Zustand, kann mit Akupunktur und Homöopathie sehr gut, schnell und wirkungsvoll behandelt werden. Eine Magnetfeldtherapie wirkt auf die schmerzhaft verkrampfte Muskulatur entspannend. Physiotherapie unterstützt die Heilung wirkungsvoll.

Rufen Sie mich an. Manchmal wundere ich mich selbst, wie gut ein Bandscheibenvorfall heilen kann, wenn man ihn ganzheitlich behandelt.

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