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Fettgewebe als Hormonproduzent bei Hund und Pferd

von Ulrike Eckert

Fettgewebe als Hormonproduzent bei Hund und Pferd

Fettgewebe als Krankheitsfaktor bei Hund, Katze und Pferd

Übergewicht bei Hund und Pferd bedeutet viele Risiken, die ein schlankeres Tier nicht hat.

  • Übergewicht bedeutet eine erhöhte Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hitze wird schlechter vertragen.
  • Gelenkprobleme treten häufiger auf.
  • Mehr Fettgewebe im Körper bedeutet ein höheres Risiko für Entgleisungen des Stoffwechsels wie Diabetes mellitus (Hund) oder EMS und Cushing beim Pferd.

Übergewicht und Arthrose

In einer großen, lebenslangen Studie von Purina (Nestlè) zeigte sich sogar, dass restriktiv gefütterte Hunde (Labrador) länger lebten als Hunde, die freien Zugang zum Futter hatten! (Die 'Schlanken' Hunde erhielten ca. 25% weniger Energie im Futter. Schwere Arthrose z.B. trat bei ihnen erst durchschnittlich mit 13 Jahren auf. Bei den "dicken" Hunden bereits mit 10 Jahren. Kaum einer der "Dicken" wurde überhaupt 13 Jahre alt .. - das sind drei Jahre, die die "fetten Hunde" weniger lange leben konnten.)

Adipokine, die Botenstoffe des Fettgewebes

Übergewicht bedeutet aber auch, dass im Körper vermehrt Fettgewebe vorhanden ist. Und Fettgewebe bildet Hormone und Botenstoffe. Inzwischen nennt man das Fettgewebe bereits "Hormondrüse". Diese Hormonähnlichen Stoffe, die sogenannten Adipokine, verändern den Stoffwechsel.

  • Adipokine verändern die Verwertung von Glucose, dem Blutzucker.
  • Adipokine beeinflussen das Hungergefühl und führen zu einer höheren Aufnahme von Nahrung, auch wenn man eigentlich satt ist.
  • Sie wirken wie Entzündungsprozesse auf den Körper, indem Entzündungsbotenstoffe ausgeschüttet werden.
  • Adipokine führen beim Menschen zu einer krankhaften chronischen Veränderung der Leber, einer Fibrosierung.
  • Adipokine bewirken eine Resistenz gegen Insulin. Und Insulin kann bei Pferden Hufrehe auslösen. Die Insulinresistenz bewirkt beim Menschen das Metabolische Syndrom. Eine Insulinresistenz gibt es auch beim Hund und beim Pferd.

Und wie beim Menschen ist Abnehmen schwieriger, als gar nicht erst Übergewicht angesetzt zu haben … So haben Kastraten einen deutlich niedrigeren Energiebedarf (= Kalorienbedarf) als Nicht-Kastrierte Hunde und Katzen. Und leider haben Tiere - seien es Hunde, Pferde oder Katzen, die eine erfolgreiche Diät hinter sich haben, lebenslang einen geringeren Energiebedarf.

Deshalb ist die beste Vorsorge gegen viele stoffwechselbedingte Krankheiten, wenn das Fettgewebe gar nicht erst im Übermaß angelegt wird. So schwer es auch manchmal fällt, dem geübten Bettelblick des Vierbeiners zu widerstehen - aber eine Gewichtreduktion (Abnehmen) ist keine Tierquälerei, sondern eindeutig lebensverlängernd.

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