Dysbiose und Darmsanierung

das Foto zeigt einen jungen Gross-Spitz: in diesem Alter frisst ein Hund alles, was er finden kann
Neugier auf das Leben - aber auch auf alles, was ihr genießbar erscheint …

Dysbiose beim Hund - die gestörte Darmflora

Die Bakterien der natürlichen Darmflora beeinflussen das Immunsystem des Hundes. Und Durchfall ist einer der häufigsten Gründe für eine therapeutische Behandlung beim Hund (SCHWENDENWEIN und IBEN, 1997). Ein akuter Durchfall heilt oft ganz allein. Der chronische Durchfall, der länger als drei Wochen anhält, ist aber ein ganz anderes Problem - auch für die Darmflora.

  • Die gesunde Darmflora stellt wichtige Vitamine beim Hund her: Vitamin K (wichtig für die Blutgerinnung), Vitamin C, B-Vitamine.
  • Die gesunde Darmflora bildet aus Rohfaser Kurzkettige Fettsäuren. Die ernähren die Zellen der Darmschleimhaut.
  • Alle Zellen der Darmflora übersteigen an Anzahl die Zellen des Körpers. Die Darmflora hilft dem Wirts-Körper, gesund zu bleiben. Sie ist wichtiger Teil des Schutzes vor krankmachenden Keimen.
  • Ohne diese Bakterien und Hefen - keimfrei - gehaltene Mäuse und Ratten sehen krank und schwach aus. Es gibt physiologische und anatomische Unterschiede zu normalen Tieren: ständiger Durchfall, vergrößerter Blinddarm und dünne Darmwände. Keimfreie Tiere haben eine geringere Lebenserwartung als Tiere mit Darmflora. (pdf der Uni Mainz, Gnotobiotische Tiere, Seite 2)
  • Unterschiedliche Typen der Zusammensetzung der Darmflora haben beim Menschen nachweislich Einfluss auf Übergewicht, Diabetes, Metabolisches Syndrom, Reizdarm, Asthma und sogar auf die Psyche. Die Darmflora macht Mäuse mutiger oder änglicher.

Für Hunde ist dieser letzte Punkt nicht nachgeweisen. (Sie waren nicht Test-Objekt und Grundlagenforschung ist teuer). Aber man kann vermutlich davon ausgehen, dass auch bei ihnen der Einfluss der Darmflora auf die Gesundheit extrem wichtig ist. Für Hunde mit IBD ist nachgewiesen, dass sie während eines Schubes ängstlicher sind. Generell sind sie oft ängstlicher als gesunde Rassegenossen.

Der Darm

Der Darm ist ein zentrales Organsystem im Körper. Er entscheidet, welche Stoffe der Nahrung von Körper verwertet und welche ausgeschieden werden. Sämtliche Nährstoffe, sämtliche Mineralien und Vitamine werden auch mit Hilfe der Darmbakterien verdaut und aufgenommen. Er ist wichtig für den den pH-Wert und damit das Milieu des Körpers.

  • Ein gesunder Darm ist entscheidend für die Aufnahme von Vitamin B12 (ein wichtiges wasserlösliches Vitamin, das u.a. an der Bildung der roten Blutkörperchen beteiligt ist). Die gestörte Darmflora führt so zur Blutarmut (Anämie).
  • Ca. 80% der gesamten Körperabwehr befindet sich in den Lymphfollikeln (den sogenannten Peyerschen Plaques) des zum Darm gehörenden Lymphsystems im Dünndarm.
  • In den letzten Jahren wurde deutlich, dass der Darm direkt mit dem Gefühlszentrum im Gehirn in Kontakt steht. Durch die richtige Ernährung und Besiedelung des Darmes mit nützlichen Kleinstlebewesen ist er sogar in der Lage, Emotionen und Gedanken zu beeinflussen (Bauchhirn).

Der Darm ist die größte Verbindung zwischen Körper und Außenwelt. Die Schleimhaut des Darmes hat ständig Kontakt mit Nahrungsmitteln, mit Bakterien, Parasiten, Viren, Pilzen, Hefen und mehr. Darum hat sich im Zusammenspiel mit der Darmflora im Darm das größte Immunsystem des Körpers entwickelt.

Das heißt, ein gestörter Darm (Dysbiose) zieht immer auch ein geschwächtes Immunsystem nach sich.

Die Darmflora

Die gesunde Darmflora - also die für dieses Tier und seine Ernährung optimal zusammengesetzte "Bakteriensuppe" - ist im Zusammenspiel mit Darmschleimhaut und Immunsystem der beste Schutz für einen gesunden Hund. Die Darmflora liefert ihm wichtige Vitamine: z.B. B-Vitamine, Vitamin C und Vitamin K (nötig für die Blutgerinnung). Hunderte verschiedener Arten von Bakterien konkurrieren. Sie halten sich gegenseitig in Schach und verhindern, dass sich Krankheitsereger breit machen können.

Die Mikroben im Darm (das Mikrobiom) fördern die Aufnahme wichtiger Nährstoffe. Sie verhindern die Ansiedlung von Krankheitserregern. Sie stärken damit das Immunsystem. Sie wirken auch entzündungshemmend und leisten ihren Beitrag zur Reduktion freier Radikale. Die gesunde Darmflora (Mikrobiom) schützt vor Allergien.

Bestimmte Mangelerscheinungen, wie beispielsweise Eisenmangel, entstehen meist nicht durch zu wenig Eisen in der Nahrung. Eisen oder auch andere wichtige Stoffe können durch eine gestörte Darmflora nicht richtig verwertet werden. Für die Aufnahme von Eisen ist das eisenbindende Eiweiß Lactoferrin notwendig. Es ist ein Nebenprodukt des Bakterienstoffwechsels. Es ermöglicht dem Körper, Eisen aus der Nahrung aufzunehmen.

Chihuahua-Welpen
Welpen - bereits in diesem Alter ist eine gesunde Darmflora (Mikrobiom) ein wichtiger Schutz für ihre Gesundheit - lebenslang

Und die gestörte Darmflora?

Die Darmflora ist bei vielen Hunden nicht optimal zusammengesetzt (Dysbiose). Gründe hierfür können sein:

  • Antibiotikagaben (auch durch industriell erzeugtes Fleisch). Nach einer Antibiotikabehandlung kann es beim Menschen bis zu 6 Monaten dauern, bis die Darmflora sich wieder normalisisert hat.
  • Cortison beeinflusst das Immunsystem - und damit auch die Darmflora.
  • Entwurmung
  • Fehlernährung, Mangel an Ballaststoffen und Futtermittelunverträglichkeiten
  • Schwermetallbelastungen (gar nicht so selten)
  • Aber auch eine Pankreasinsuffizienz, Futtermittelallergie oder eine Magenentzündung verändert die Verdauung und damit auch die Darmflora.

Wann sollte eine Darmsanierung beim Hund gemacht werden?

Sinnvoll ist eine Darmsanierung bei vielen chronischen Erkrankungen. Vor allem auch:

  • nach Antibiotika, wenn die Darmflora gestört ist
  • bei geschwächten Immunsystem (Infektanfälligkeit)
  • wiederholten Durchfällen
  • nach Wurmkuren oder Cortison
  • bei einer Futterumstellung (Industriefutter auf Rohkost)
  • eventuell vor der Geburt
Münsterländer-Rüde mit 15 Jahren
Im Alter verändert sich die Darmflora. Die Arten werden weniger - der Hund wird anfälliger. Die Darmflora zu unterstützen schützt die Gesundheit Ihres Hundes..

Darmsanierung - wie?

Einsatzmöglichkeiten von Prae- und Probiotoka.

Darmbakterien gelangen bereits während der Trächtigkeit in den Darm der Feten. Auch während der Geburt nimmt der (menschliche) Säugling Bakterien auf - bei einem Kaiserschnitt aber andere als bei der natürlichen Geburt (und Kaiserschnitt-Kinder haben nachweislich häufiger Allergien).

Der nächste Schritt, um eine gesunde Darmflora zu erhalten, ist die Nahrung. Moderne Produktionsmethoden und die industrielle Verarbeitung verändern aber das Mikrobielle Milieu - es verarmt nachweislich. Es kommt zu Verschiebungen unter den Arten der Darmbakterien. Weniger unterschiedliche Arten kommen vor. Medikamente wie Antibiotika verstärken das.

Diese Milieuveränderung - auch Dysbiose genannt - begünstigt die Entstehung von Krankheiten, die mit der Darmflora und dem Immunsystem zusammenhängen. Denn die Mikroorganismen im Darm sind an vielfältigen Stoffwechselprozessen beteiligt. (siehe oben)

Heute ist häufig zur Korrektur einer krankhaft veränderten Darmflora die Einnahme von Bakterienkulturen nötig, hierbei handelt es sich um die sog. Probiotika wie z.B. Lactobacillus oder Bifidus. Sie können helfen :

  • zur Stärkung des Immunsystems, zum Schutz vor Infektionen, Durchfall
  • bei Hautproblemen
  • Bei Magen-Darm-Problemen
  • zur Entgiftung von Schwermetallen, Toxinen etc.
  • zur Unterstützung bei Schwersterkrankungen
  • Entzündungen der Darmschleimhäute

Das gesunde Mikrobiom des Darmes ist für den Erhalt der Gesundheit extrem wichtig. Darmbakterien sind an vielen Funktionen im Organismus beteiligt. Sie schlüsseln nicht nur die Nahrungsbestandteile auf. Sie bilden Vitamine und sind ein wichtiger Teil der Immunabwehr.

ein Hund mit chronischen Durchfall - ansehen kann man es ihr nicht
Chronischer Durchfall belastet Hunde und Halter gleichermaßen - und die gestörte Darmflora schwächt die Gesundheit

Erkrankungen des Darms

Darmerkrankungen bei Hunden nehmen heute einen breiten Raum ein.

  • Futtermittelallergien
  • parasitären Erkrankungen (Würmer, Einzeller wie z.B. Giardien)
  • Autoimmunerkrankungen
  • (IBD = inflammatory bowel disease = chron. entzündliche Darmerkrankung, Kolitis = Dickdarmentzündung)
  • Verstopfung
  • Darmkrebs …

Aber Fehlbesiedelungen der Darmflora führen auch zu vielen anderen Stoffwechselerkrankungen, so z.B. auch zu Hauterkrankungen oder anderen Infektionen.

Chinesische Medizin

In der Chinesischen Medizin gehört die Haut als Organ zum Metallelement, und damit zu den Organkreisen Lunge/Dickdarm. Ist dieses Element nicht in der Balance, können sich sowohl Erkrankungen des Atemsystems, des Darmes, als auch der Haut einstellen. So kann das oft gemeinsame Auftreten von Haut-Krankheiten und Darmerkrankungen erklärt werden.

Die Abwehrenergie wie Qi wird ebenfalls dem Metallelement zugerechnet. Sie zirkuliert in der Vorstellung der Chinesischen Medizin auf der Haut. Ist das Metallelement schwach, so ist automatisch auch die Abwehrenergie schwach. Erkrankungen werden dann häufiger auftreten als bei stärkeren Tieren.

Darmsanierung ist ein wichtiger Bereiche der ganzheitlichen Tiermedizin. Denn der Darm nimmt sämtliche Nährstoffe auf, die einen Hund ernähren. So wird eine gesunde Verdauung als Quelle der Gesundheit beschrieben.

Nicht jedes Problem kann über die Darmflora erklärt und behandelt werden, aber ein genauer Blick lohnt sich in jedem Fall.

Zum Weiterlesen

Die Bedeutung des intestinalen Mikrobioms für die Gesundheit des Menschen

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