Cushing bei Pferden

Seniorenkrankheit? Ernährungsproblem?

Immer häufiger hört man die Diagnose: „Cushing Syndrom“. Meist handelt es sich um ältere Pferde. Meist wird die Diagnose "Cushing" bei Pferden gestellt, die älter als 15 Jahre sind.

Inhalt:

  1. Einleitung: Anzeichen des Cushing-Syndromes und Ursachen beim Pferd
  2. Symptome und Anzeichen
  3. Wirkung des Hormons Cortison
  4. Diagnose
  5. schulmedizinische Therapie
  6. komplementäre Behandlung: Diät, Bewegung, Akupunktur, Homöopathie

Symptome

Bei Pferden, die unter Cushing Syndrom leiden, baut sich die Muskulatur ab. Das Pferd wird bei der Arbeit schnell müde. Typischerweise bekommt es einen "Hängebauch". Auch der Rücken hängt mehr durch. Das klassische Symptom ist lockiges, zotteliges Fell und ein verzögerter Fellwechsel. Das Pferd verliert das lange Winterfell einfach nicht.

Eine Immunschwäche führt zu häufig auftretenden Infektionen. Oft sieht bei Pferden mit Cushing Fettpolster über den Augen. Fetteinlagerungen sind ein typisches Bild. Auch Warmblüter entwickeln einen Hengsthals, einen tonnenförmigen Bauch (Stammfettsucht) und Fettpolster auf der Kruppe. Das Pferd trinkt mehr und stallt mehr, also ist die Box regelmässig nass. Wegen der Muskelschwäche schwitzt das Pferd leicht, und durch das lange Fell dauert es, bis es trocknet. Gefürchtet wird das Equine Cushing Syndrom aber wegen der verbundenen Hufrehe.

Die Verantwortung für diese Veränderungen gibt man dem Hormon Cortisol.

Stresshormon im Übermass

Man vermutet, dass kleine Tumore der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) Cushing verursachen. Sie bilden ACTH (AdrenoCorticoTropes Hormon). Unter anderem regt es die Bildung von Glukocorticoiden, Mineralokortikoiden (zum Beispiel das Dursthormon) und Sexualhormonen an. Die Symptome des Cushing-Syndromes bei Pferden werden vor allem durch ein Übermass an Cortisol (Glucocorticoid) verursacht.

Andererseits sieht man die selben Symptome auch bei Pferden mit völlig normalen ACTH-Werten und teilweise auch bei Pferden, bei denen EMS (Equines Metabolisches Syndrom) diagnostiziert wurde.

Die Bildung von ACTH wird durch Stress erhöht. Kälte, schwere Arbeit, Verletzungen und Krankheiten, Stress durch Rangordnungsschwierigkeiten oder durch die Haltung allgemein. ACTH kann aber auch durch Tumore vermehrt und unkontrolliert gebildet werden.

Folge ist langfristig eine Vergrößerung der Nebennierenrinde, welche nun unkontrolliert Kortisol ausschüttet.

zu viel Cortisol

Cortisol ist ein Gegenspieler des Insulins, des blutzuckersenkenden Hormons. Cortsol führt zu einem ständig hohen Blutzuckerspiegel, bis zum Diabetes. Cortison verursacht eine Insulinresistenz: der Zucker wird von den Zellen nicht aufgenommen. Er wird mit dem Harn ausgeschieden. (Deshalb ist jede ! Mahlzeit, die den Blutzuckerspiegel stark steigen lässt, wie Müsli oder Kraftfutter, hier gefährlich.) Ein hoher Insulinspiegel kann einen Reheschub auslösen.

Fehlt einem Pferd mit Cushing die regelmäßige Bewegung in Trab/Galopp, verschlechtert sich die Ernährung der Muskelzellen noch weiter. Denn bei Bewegung nehmen die Muskelzellen Zucker auf. Das kennt jeder Diabetiker.

Eine weitere Wirkung des Cortisols ist ein schneller Abbau von Eiweiß- und fetthaltiger Körpermasse. Dies führt zu einer (Über-)Anstrengung der Leber. Sie reagiert meist mit krankhafter Verfettung.

Kortisol ist ein wichtiges Hormon zur Unterdrückung von Entzündungen und Allergien. Im Übermaß aber unterdrückt es das ganze Immunsystem. Pferde mit Cushing (oder Pferde die langfristig Kortisol erhalten haben), leiden daher oft unter Infektionen. Wunden heilen schlecht. Außerdem beeinflusst Cortisol den Knochenstoffwechsel. Die Knochen werden demineralisiert - Calcium wird aus den Knochen freigesetzt. Ein Übermasss an Calcium im Blut führt zu Überbeinen, Knochenbrüchen und Bindegewebsproblemen.

Diagnose: Cushing

Bluttests auf erhöhte Werte von ACTH oder Kortisol dienen der Diagnose. Dabei sollte das Pferd sich aber nicht aufregen, denn Cortisol ist ein Stresshormon. Bei Aufregung wird es vermehrt ausgeschüttet und der Test verfälscht. Sicherer zur Diagnose ist der Dexamethason-Hemmtest, bei dem geringe Mengen des synthetischen Glucocorticoids verabreicht werden. Beim gesunden Pferd kommt es sofort zu einer Hemmung der ACTH-Sekretion, beim kranken Tier nicht. Leider ist dieser Test für Hufrehepatienten völlig ungeeignet, weil er einen Reheschub verursachen kann.

Die alleinige Bestimmung von ACTH ist schwierig. Die Werte auch gesunder Tiere liegen sehr oft sehr weit oberhalb des von Labor vorgegebebn Normbereiches. Der Cortisol-Spiegel ist sehr oft völlig normal.

Während früher Cushing eine Krankheit der alten Pferde war (ich kann mich an nur einen Fall vor dreissig Jahren erinnern, ein 26 Jahre altes Warmblut, das übringes auch nie Hufrehe hatte), wird es heute auch bei Pferden unter zehn Jahren diagnostiziert. Diese Pferde fallen durch die Hufrehe auf, weniger durch ein lockiges Fell, Stammfettsucht.

Sehr oft wird ECS, das Cushing-Syndrom, bei einer Hufrehe diagnostiziert. Die Rehe ist dann sehr oft das einzige Symptom. (Wird der ACTH-Wert bei einem Rehe-Patienten bestimmt, so darf der keinen Stress erleben und keine Schmerzen haben. Sonst wird das Ergebnis verfälscht! falsch-positiv sein.)

Vieles beim Cushing-Syndrom des Pferdes ist bislang nicht geklärt. Es gibt Pferde mit normalen Blutwerten, die doch alle Symptome zeigen oder bei denen zumindest Cushing diagnostiziert wurden. Das spricht dafür, dass weitere Faktoren bislang unbekannt sind.

schulmedizinische Therapie

Schulmedizinisch erfolgt die Therapie lebenslang mit Pergolid. Es hemmt die Ausschüttung von ACTH in der Hypophyse.

Böehringer-Ingelheim, der Hersteller des Medikamentes Pergolid, beschreibt auf der Internetseite www.cushing-hat-viele-gesichter.de, dass in Deutschland rund 20% der Pferde und Ponies Cushing haben. Das ist verblüffend viel, wenn man sich überlegt, dass bei Hunden Cushing ebenfalls als eine der häufigsten Hormonstörungen angesehen wird - mit 0,1% in der Hundebevölkerung Deutschlands. (Quelle: Vetline)

Alternativer Ansatz bei Cushing

ein bockender Tinker beim Freilauf im Schnee: Fettpolster an Mähnenkamm und Kruppe sind deutlich
deutliche Fettpolster und langes Fell beim Pferd können auch andere Ursachen haben als das Cushing-Syndrom

Es ist nicht immer Cushing

Cushing-Symptome haben nicht immer das Cushing-Syndrom als Ursache. Auffallend häufig findet man in der Vorgeschichte jahrelange Mangelernährung bei überhöhter Energiezufuhr und schließlich zu wenig körperlicher Bewegung.

Das Cushing-Syndrom ist ein Wohlstanderkrankung. Hinter einem vermeintlichen Cushing Syndrom steckt nicht immer eine Entartung der Nebennierenrinde oder der Hypophyse. Auch Parasitenbefall, Spurenelementmängel oder Zahnprobleme verursachen ein ähnliches Bild.

Andererseits kann Stress die Ursache sein. Die ständige ACTH – Ausschüttung kann eine Überreaktion der Nebennierenrinde verursachen. Pferde erleben heute oft Stress. Haltungsfehler wie zu große Pferdezahlen auf zu kleiner Fläche, oft auch noch mit ständigen Wechsel der Tiere, bis hin zur Stallhaltung ohne Sozialkontakte, häufiger Turnierbesuch, oder Stress unter dem Sattel, ungeeignetes Sattelzeug, untrainierte oder überlastete Pferde, Bewegungsmangel, eine Fütterung, die nicht artgerecht ist … Das sind nur einige Dinge, die das Leben unserer Pferde erschweren.

Pferde mit Cushing brauchen:

- eine absolut bedarfsgerechte Ernährung

  • sehr wenig Stärke- und Zucker und wenige Fette (Möhren und Kraftfutter/Müsli einschränken oder völlig darauf verzichten)
  • gute Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe: Pferde sind Pflanzenfresser und können Vitamine und MIneralien aus Pflanzen ideal aufnehmen
  • Leberentgiftung
  • Unterstützung des Herzens

- regelmässige Bewegung

  • tägliche Trab und Galopp, um die Zuckeraufnahme in die Muskulatur zu steigern und so den Blutzuckerspiegel zu senken
  • eine gymnastizierende Reitweise, um dem Pferd Schmerzen zu ersparen
  • gut passendes Sattelzeug
  • und korrekte Hufpflege (Rehe)

- Stress-Minimierung: Hier kann die Akupunktur für Hunde und Pferde sehr gut helfen, um schmerzhafte Probleme im Bewegungsapparat zu behandeln. Akupunktur und Homöopathie können helfen, die Stressanfälligkeit eines Pferdes zu verringern und so den Blutspiegel an Cortisol und ACTH senken. Heilkräuter unterstützen die Therapie erfolgreich.

Der Vorteil einer komplementären Unterstützung von Cushing-Pferden ist, dass die körpereigene Regulation beeinflusst wird. So werden die Symptome ursächlich gemildert. Rufen Sie mich an. Es gibt auch für Ihr Pferd Lösungen.