EMS bei Pferden - das equine metabolische Syndrom

Seit langem ist bekannt, dass übergewichtige Pferde und Ponys viel häufiger an Hufrehe erkranken. Die Veränderungen im Hormonsystem und im Stoffwechsel, die für die Entstehung der Hufrehe wichtig sind, wurden Equines Metabolisches Syndrom (EMS) genannt. EMS ähnelt in gewisser Weise dem Metabolischen Syndrom des Menschen. Leider ist das wichtigste Symptom für EMS und die schwerwiegende Folge beim Pferd eine schmerzhafte Hufrehe …

Defintion des EMS

EMS ist eine Hormonstörung. Ihre Symptome sind Fettsucht/Adipositas und eine periphere Insulinresistenz in Verbindung mit Hufrehe (akut oder chronisch) (Frank 2006).

EMS entsteht hauptsächlich:

  • durch Verfütterung von energiereicher Nahrung an Pferde, also leicht verdauliche Zucker (Stärke, Melasse, ...) oder Futter mit hohem glykämischen Index (Futter, bei deren Verdauung viel Insulin benötigt wird)
  • bei zu wenig Bewegung (individuell zu wenig)
  • die übermäßigen Kalorien werden dann in Form von Depotfett im Körper ablagert

Die Insulinresistenz bei EMS

Insulin ist dafür verantwortlich, dass Körperzellen Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Alle Zellen ernähren sich so. So senkt Insulin den Blutzuckerspiegel. Beim menschlichen Altersdiabetes geschieht das gleiche wie beim EMS: die Zellen benötigen mehr und mehr Insulin, um Blutzucker aufzunehmen. Beim Pferd kann man aber nicht mehr und mehr Insulin spritzen, wie man es beim Menschen macht. Denn Pferde bekommen durch zu viel Insulin Hufrehe.

Und Cortisol?

Cortisol erhöht den Blutzuckerspiegel. Die Körpergewebe werden gegen Insulin unempfindlicher gemacht. So wird immer mehr Insulin benötigt, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Insulin aber macht, im Übermaß, die Blutgefäße brüchig.

Allein mit Gabe von Insulin (sogar in Mengen, wie manche Pferde sie aufweisen) kann man bei Pferden und Ponies Hufrehe auslösen. Vielleicht erklärt das auch die Weiderehe. Frisches Gras kann sehr viel leichtverdauliche Kohlehydrate (Zucker) enthalten. Dies würde zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels führen und das wieder zu einem Anstieg des Insulinspiegels im Blut …

Was geschieht im Pferdekörper beim EMS?

ein bockender Tinker: manche Rassen neigen mehr zur "Fettsucht" als andere
nur mit ausreichend Bewegung kann man der Neigung zu EMS entgegensteuern

EMS - das metabolische Syndrom beim Pferd erkennt man meist an den Fettdepots, die sich bilden. Die Fettansammlungen im Bereich des Mähnenkamms, über dem Schweifansatz, am Präputium und Euter kann man gut sehen. Auch in der Schulter- und Lendenregion der Pferde entstehen solche Fettdepots.

Gefährlicher bei EMSs ist für das Pferd aber das Bauchfett. Es liegt im Bauch auf den Organen und im sogenannten "Großen Netz", das die Baucheingeweide überzieht. Bauchfett ist eine "Hormondrüse". Das "Sichtbare Fett" ist dagegen lediglich nur Gewicht, das den Bewegungsapparat belastet.

Fettzellen des Bauchfettes produzieren bestimmte Stoffe (Adipokine), z. B. Zytokine und Interleukine, die auch bei Entzündungen vom Körper benötigt werden. Bauchfett ist wie eine große Entzündung im Körper und verändert den Stoffwechsel so. Außerdem sorgen diese Fettzellen bei EMS dafür, dass inaktives Kortison in aktives Kortisol umgewandelt.

Die erhöhte Kortisolaktivierung spiegelt sich in der Regel nicht in einer messbaren Erhöhung von Kortisol im Blut wieder. Statt dessen zeigt sie sich in einem Verlust des täglichen Rhythmus - der Spiegel des Cortisons bliebt gleichmässig hoch, anstatt wie bei gesunden Pferden immer wieder schnell zu sinken. Als Folge der gesteigerten Kortisolaktivierung sind Veränderungen der inneren Glukosehomöostase bekannt. Sie zeigen sich als Insulinresistenz der Körperzellen mit Hyperinsulinämie, also einer viel zu großen Menge Insulin im Blut - die wiederum einen Reheschub auslösen kann.

EMS - wieso? Was passiert mit den Pferden?

Müsli und Kraftfutter - gefährlich bei EMS

Stärkehaltige Müslis - mit Melasse, damit sie besser gefressen werden - setzten in kurzer Zeit viel Glucose frei (Blutzucker). Hier sind Gerste und Mais sehr viel gefährlicher und energiereicher als Hafer. Ein hoher Blutzuckerspiegel erfordert vom Körper einen hohen Spiegel an Insulin. Aber:

  • Insulin kann bei Pferden Hufrehe auslösen. Das ist eindeutig inzwischen nachgewiesen. Ein Pferd, das hohe Mengen Insulin braucht, um seinen Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, kann in eine Hufrehe geraten.
  • Insulinresistenz (IR) kennt man meist vom Menschlichen (Alters) Diabetes.

Man findet eine höhere Rate von Pferde mit hohen Insulinspiegel bei fetten Pferden (nach der Studie von 2006). Fast jedes Dritte fette Pferd hatte einen gefährlich hohen Insulinspiegel.

Man weiß, wie man als Mensch einen Altersdiabetes fast sicher verhindern kann. Zwar entwickelt nicht jedes übergewichtige Pferd eine Insulinresistenz. Aber die Zahlen von EMS bei Pferden in Deutschland steigen stark an. So sagt Boehringer-Ingelheim, dass bis zu 90% der Hufrehe-Fälle durch eine Hormonstörung entstehen - nämlich EMS und equines Cushing (ECS). Auch die Hufrehe auf frischen Gras kann durch die Insulinresistenz und die gefährlich hohen Insulinspiegel durch die Fruktane erklärt werden.

und Selen?

Man weiß inzwischen, dass Selen die Wirkung des Insulins verändert. Selen im Übermaß wirkt giftig. Aber schon in geringeren Mengen verändert es den Stoffwechsel. Es verringert die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin. Und dieses Insulin muss dann vom Körper in höheren Mass proudziert werden, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

Die Blutspiegel von Selen sind nicht besonders aussagekräftig, um einen Selenmangel /einen Überschuss zu diagnostizieren. Sie schwanken stark. Besser geeignet ist die Haarmineralanalyse, mit der die Langzeitversorgung mit Mineralistoffen und Spurenelementen überprüft werden kann.

Inzwischen ist Selen in fast allen Mineralfuttermischungen enthalten. Und auch die Landwirtschaft setzt es dem Dünger zu. So reichert sich das Futter immer mehr mit Selen an.

EMS ist Veranlagung - und Umwelt

EMS beim Haflinger

Selbstverständlich gibt es genetische Veranlagungen. So hat fast jeder 2. Haflinger eine genetische Neigung zu EMS - oder, wie man sie früher gewünscht und selektiert hat - er hat die körperliche Fähigkeit, Schwerstarbeit auf Almwiesen mit nur wenig Energie im Futter leisten zu können. Wird er anders ernährt, wenn er nicht genug arbeiten kann - wird er fett. Und EMS droht - mit Hufrehe …

Auch Welsh-Ponies haben einen gewissen Hand zur Fülle, und manche Tinker ebenfalls. Und ein Trakehner, der neben einem Fjordpferd grast, kann recht leicht dünn aussehen, während das Fjordpferd immer kräftiger wird …

Behandlung bei EMS

  • Bewegung, Bewegung, Bewegung - ist das wichtigste bei EMS. Auch im Galopp! Das ist die Gangart, bei der ein Pferd sehr viel mehr Energie verbraucht als bei jeder anderen. Aber auch eine Stunde flotter Schritt täglich ist hilfreich.
  • Der weitestgehende Verzicht auf alles, das ein Pferd fett machen kann. Alles, ds den Blutzuckerspiegel nach oben treibt, ist (zunächst einmal) verboten
  • Dass die Hufe sorgfältig korrigiert werden müssen, sollte selbstverständlich sein

Bei EMS ist der Stoffwechsel belastet. Das Fettgewebe verhält sich wie eine Entzündung: es produziert die entsprechenden Botenstoffe, und zwar viele davon. So gehört die Anregung der Leber-und NIerenfunktion zu einer guten Behandlung bei EMS. Heilkräuter aus der Phytotherapie können hier gut wirken oder eine homöopathische Behandlung.

Leberfunktion unterstützen

  • Bei der Diät des EMS -Pferdes sollte immer die Leberfunktion unterstützt werden. Bitterstoffe aus Pflanzen sind hier ideal. Wenn die Fettdepots abgebaut werden, werden Abfälle des Stoffwechsel und Schadstoffe frei. Pflanzliche Bitterstoffe regen den Gallenfluss an. Das ist wichtig für den geregelten pH-Wert im Darm. So können einige Entgleisungen bei der Verdauung abgefangen werden - und ein erneuter Reheschub vielleicht werdet werden.
  • Viele Pferde hatten bereits erhöhte Leberwerte, bevor das EMS erstmal aufgetreten ist. Ähnliches kennt man vom Menschliches Diabetes TYP II.
  • Die Leber ist extrem wichtig für den gesamten Stoffwechsel. Der Stoffwechsel aber ist eng mit dem Hormonsystem gekoppelt. Eine ungeschützte Leber führt in diesem Bereich oft zu körperlichen Problemen.

Vitamine und MIneralien

  • Bei ausreichend Heu ist eine Versorgung mit künstlichen Vitaminen für ein Pferd nicht (!) nötig. Vitamin K wird von der Dickdarmflora hergestellt. Vitamin D ist reichlich in gutem Heu enthalten. Eine weitere Gabe könnte das Pferd sogar überlasten.
  • die Mineralstoffverorgung kann nicht ausreichend sein. Das ist abhängig vom Heu, dem absoluten Grundfutter bei einem Pferd mit EMS. Möglicherweise sollten Mineralien ergänzt werden. Dann aber am besten so, wie das Pferd sie über Millionen Jahre aufgenommen hat - nämlich aus Pflanzen.

Bewegung

Damit das Pferd entsprechend viel laufen kann, bietet sich die Pferde-Akupunktur als Schmerztherapie an. Denn durch die Hufrehe sind Schmerzen entstanden. Verspannte Muskeln und angestrengte Sehnen schmerzen - und sie treiben den Spiegel des Stress-Hormons Cortisol in die Höhe. Das aber verstärkt die Insulinresistenz …

Pferde vor dem ersten Rehe-Schub kann bei EMS sehr gut geholfen werden. Ist der Hufträger durch eine Rehe bereits geschädigt worden, wird die Therapie entsprechend aufwendiger. Trotzdem kann auch diesen PFerden geholfen werden. Rufen Sie mich an.