Vitamine für Hunde

Welche und wieviel Vitamine brauchen Hunde?

Das Wort Vitamin kommt aus dem Lateinischen – "vita" bedeutet "das Leben". Weil die ersten bekannten Vitamine zur chemischen Klasse der Amine gehörten, wurde das Kunst-Wort "Vitamin" zu ihrer Beschreibung gebildet. Vitamine sind lebensnotwendige Nährstoffe, die der Organismus nicht selbst oder nicht ausreichend herstellen kann. Deshalb müssen Vitamine im Futter enthalten sein. Fehlen sie, kommt es zu Stoffwechselstörungen, Mangelerscheinungen und Krankheiten.

Was machen Vitamine im Körper?

Vitamine gehören tatsächlich verschiedenen chemischen Stoffklassen an. Sie sind also unterschiedlich aufgebaut. Trotzdem ist ihre Funktionsweise im Körper oft sehr ähnlich: Bei vielen Stoffwechselprozessen sind sie Katalysatoren. Sie machen also chemische Reaktionen möglich, sind aber selbst nicht beteiligt (wie der Katalysator im Auto). Da Vitamine also nicht verbraucht werden, so wie andere Nährstoffe, benötigt der Hund nur geringe Mengen täglichen Nahrung.

Vitamine sind notwendig für das Wachstum, die Energiegewinnung im Stoffwechsel, für Gefühle und Sinneswahrnehmungen. Sie ermöglichen die erfolgreiche Verdauung, die Entgiftung im Stoffwechsel und die Ausscheidung. Auch für die Abwehr von Krankheiten braucht jedes Lebewesen sie. Fehlen Ihrem Hund, Ihrer Katze oder Ihrem Pferd Vitamine in der Nahrung, hat dies für die Tiere katastrophale Folgen für die Gesundheit.

Fettlösliche und wasserlösliche Vitamine

Nach der Reaktionsweise wird zwischen fettlöslichen und wasserlöslichen Vitaminen unterschieden. Im allgemeinen können die fettlöslichen Vitamine gespeichert werden.

Vitamin A für den Hund

Vitamin A ist für eine gute Hautfunktion, Reifung und Funktion der Schleimhaut nötig. Auch die Nachtsicht der Tiere benötigt Vitamin A. Eine Unterversorgung mit Vitamin A führt zu erhöhter Anfälligkeit gegen Infektionen. Deshalb gilt Vitamin A auch als das "Schleimhaut-Vitamin". Ist der Mangel sehr groß, kann der Hund auch abmagern. Gewichtsverlust und sogar Lungenentzündungen sind dann möglich. im Wachstum und bei jungen Hunden fällt mehr die Störung im Knochenwachstum auf: die Nervenaustrittsstellen im Schädel schließn sich. Schwere Schäden am Nervensystem sind dann möglich. Vitamin A steht auch im engen Zusammenhang mit Haut und Fell, ein Mangel bewirkt Hautkrankheiten und Fellverschlechterung. Eine Überversorgung mit Vitamin A führt ebenfalls zu Erkrankungen, z.B. zu Knochendeformierungen bei Welpen.

Vitamin A ist in Leber, Milch, Fischöl und Eigelb in hohen Mengen enthalten. Der Körper speichert dieses Vitamin in der Leber. Sehr hohe Gaben an Vitamin A können giftig oder sogar tödlich sein. Aber auch eine langdauernde Fütterung nur mit Leber (Katzen) wirkt sich ungünstig aus.

Der Vorläufer des Vitamin A ist Beta Carotin, z.B. in Möhren, farbigen Früchten und Gemüsen. Hunde können Beta Carotin (Provitamin A) in Vitamin A umwandeln, und zwar ausreichend gut. Katzen sind dazu nicht in der Lage, ihnen fehlt ein Enzymsystem. 

Vitamin D für den Hund:

Vitamin D wird zur Knochenbildung benötigt. Seine Funktion besteht überwiegend in der Aufrechterhaltung eines normalen Calciumgehaltes im Blut - dem Mineralstoff, der das wachsende Knochengerüst des Hundes mineralisiert, aber auch an jeder Bewegung und jeder einzelnen Nervenreaktion beteiligt ist. Trächtigkeit und Wachstum erhöhen den Calcium- und Phosphor-Bedarf eines Hundes beträchtlich.Die Aufnahme von Kalzium aus dem Futter ist von genügend Vitamin D abhängig. Ist im Futter zuwenig Calcium enthalten, kann durch eine höhere G abe von Vitamin D die Calcium-Aufnahme verbessert werden.

Das aus Pflanzen stammende Vitamin D2 hat beim Hund eine annähernd gleichgroße Wirkung wie das im tierischen Körper vorkommende Vitamin D3.

Überversorgung mit Vitamin D führt zu Verkalkungen von Weichgeweben wie Lunge, Leber oder Niere. Bei wachsenden Hunden kommt es zudem zu Missbildungen von Kiefern und Zähnen. Vitaminpräparate für tragende Hündinnen müssen sehr vorsiicht dosiert werden (wenn sie überhaupt nötig sind): Zuviel Vitamin D kann zu schweren Schäden bei den ungeborenen Welpen führen. Bei einer Überdosierung von Vitamin D wird so viel Calcium aufgenommen, dass es im ganzen Körper ausfallen kann. Die Verkalkung findet im gesamten Körper statt: Verkalkungen der Blutgefäße und der großen Gelenke. Die Folge kann frühes Nierenversagen sein. Stoffwechselprobleme aller Organe, Herzschwäche, Arthrosen sind ebenfalls möglich. Selbst bei therapeutischen Maßnahmen sollte das 10-fache des Normalbedarfs nicht überschritten werden.

Ein "Alleinfuttermittel für Hunde" muss sämtliche Lebensphasen eines Hundes abdecken - von der Welpenzeit bis zum Seniorenalter. Auch Trächtigkeit und  Säugen der Welpen muss in den Bedarfswerten berücksichtigt werden. So kann der höhere Bedarf eines Welpen aus einem kommerziellen Alleinfutter gut gedeckt sein, der erwachsene Hund, der keine besondere Leistung erbringt, aber dauerhaft überversorgt sein.

Vitamin E für den Hund:

Hohe Gehalte an Vitamin E findet man in Nüssen, Ölen, Samen und im Getreide. Vitamin E schützt Fette vor dem Verderb und damit auch fettlösliches Gewebe im Körper. So schützt es ebenfalls vor manchen Krebs-Arten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vitamin E unterstützt die Energieproduktion im Körper. Es hilft den Muskeln und Nerven, mit weniger Energie zu funktionieren.

Hunde vertragen Vitamin E sehr gut – eine gelegentliche Überdosierung schadete ihnen anscheinend nicht. Licht ist der größte Feind dieses Vitamins. Starke Hitze und Sauerstoff vermindern den Gehalt im Hundefutter. Beim starken Erhitzen bleiben nur die Hälfte des Vitamingehaltes übrig. Deshalb, und weil es eben Fette vor dem Ranzigwerden schützt, wird das Vitamin kommerziellen Hundefutter in großen Mengen zugegeben.

Vitamin E und das Mineral(Spurenelement) Selen arbeiten zusammen, um den Körper vor Freien Radikalen zu schützen. Diese entstehen bei manchen biochemischen Reaktionen im Körper und sind "radikal" zerstörerisch. Vitamin E und Selen "fangen" die Freien Radikale. Aber ein gewisses Maß dieser aggressiven Moleküle ist nötig, um manche Reaktionen zu ermöglichen. Vitamin E und Selen können so auch, wenn im Übermaß vorhanden, schädlich wirken. Heute ist der Vitamin-E-Mangel beim Hund sehr selten. Dabei treten Wachstums- und Bewegungsstörungen infolge degenerativer Veränderungen der Skelett-, aber auch Herzmuskulatur auf.

Vitamin K für den Hund:

Vitamin K ist für die Blutgerinnung notwendig. Die Prothrombinbildung der Blutplättchen und die Produktion anderer Blutgerinnungsfaktoren sind davon abhängig. Ein Mangel verzögert die Blutgerinnung, in schweren Fällen treten Blutungen auf. (Rattengift auf Cumarin-Basis und der Gerinnungshemmer Macumar zerstört Vitamin K). Vitamin K kann der Hund im Darm bilden. Hunde sind also nicht - wie der Mensch - auf die Zufuhr mit der Nahrung angewiesen.

Vitamin K ist auch in Fischmehl, Leber und Grünfutter enthalten. Ein Mangel an Vitamin K kann nach einer Antibiotika- oder Sulfonamid-Behandlung auftreten. (Hunde mit IBD erhalten oft Sulfasalazin, ein Proto-Sulfonamid, das die Darmflora verändert.) Behandlungen mit Antibiotika schädigen die Darmflora, welche für die Bildung von Vitamin K zuständig ist.

Wasserlösliche Vitamine: hier sind Mängel häufiger

Grundsätzlich gilt, dass der Körper die wasserlöslichen Vitamine nicht speichern kann, im Gegensatz zu den fettlöslichen. Wasserlösliche Vitamine werden bei Überdosierung ausgeschieden. Das bedeutet aber nicht, dass man ungestraft davon seinem Hund Unmengen geben kann: ein Übermaß an Vitamin C führt z.B. zu Durchfall.

Vitamin B1 (Thiamin) für den Hund:

Vitamin B spielt eine zentrale Rolle beim Ablauf des Stoffwechsels. Auch für das Nervensystem ist es besonders wichtig. Junghunde und Zuchttiere brauchen mehr Thiamin als ausgewachsene Hunde. Der Thiaminbedarf steigt auch mit der körperlichen Leistung, die der Hund erbringen muss und darf. Mangel an Vitamin B1 führen zu Freßunlust, Kotfressen, Nervenschäden wie Sternguckerkrankheit oder Nachhandlähmung, Krämpfen und Kreislaufstörungen.

Ein Thiaminmangel kann auftreten, wenn Hunde einseitig mit thiaminarmen Futtermitteln ernährt werden. Das sind z.B. polierter, weißer Reis, Weißmehle, fettreiche Futtermittel. Manche rohen Fische enthalten ein Enzym, das Thiamin zersetzt. Auch eine falsche Zubereitung, Auswaschen oder Über-Garen kann den Thiamingehalt verringern.

Chronische Mangelsituationen zeigen sich durch Störungen des Nervensystems: dazu gehören Erbrechen, Krämpfe, Muskelschwäche oder auch Kreislaufstörungen. Typische Folgen sind gestörtes Wachstum bei Welpen, "Kümmern", Abmagerung und mangelnde Fresslust. Auch Kotfressen kann (neben einer Pancreasinsuffizienz, auch auf einem Thiaminmangel hindeuten.

B-Vitamine und hier besonders Thiamin werden auch nach Nervenverletzung wie Bandscheibenvorfall beim Hund eingesetzt. Eine akute Überdosierung von Thiamin kann allerdings zu einem raschen Abfall des Blutdrucks und durch Ausfall des Atemzentrums zum Tode führen.

Vitamin B2 (Riboflavin) für den Hund:

Dieses Vitamin ist an der Wasserstoffübertragung beteiligt, also der Energiegewinnung der Körperzellen. So ist es Teil fast jeder Reaktion im Körper. Riboflavin ist in Milch, Hefe, Leber, Lunge und im Pansen enthalten. Unter normalen Umständen wurden bisher keinerlei Vitamin B2-Mängel diagnostiziert. Vitamin – B2 – haltige Lebensmittel sollten dunkel und kühl gelagert werden. Auch diesem Vitamin schaden Licht und Hitze.

Pantothensäure

Die Aufgaben dieses Vitamins ähneln denen von Riboflavin (Energiestoffwechsel). Besonders der enorme Energiebedarf von Welpen macht sie für einen Mangel anfällig: Stoffwechselstörungen. Die Anzeichen sind leider sehr unterschiedlich und eher uncharakteristisch: z.B. fehlender Appetit, Wachstumsverminderung bei Welpen, Abmagerung oder Krämpfe.

Niacin

Niacin ist an verschiedenen Stoffwechselvorgängen beteiligt - v.a. dem Aufbau von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten. Ein Niacinmangel kann bei einseitiger Fütterung von Getreideprodukten entstehen. Diese enthalten zwar Niacin, das aber nur schlecht vom Hund aufgenommen werden kann. Der Niacin-Mangel führt zu der schwarzen Zunge, einer schweren Entzündung und Geschwürsbildung von Mund und Rachen mit blutigem Speichel. Gleichzeitig kommt es auch zu Hautentzündungen, Durchfällen und Störungen der Nervenfunktionen.

Vitamin B6 für den Hund:

Das Vitamin B6 ist für den Stoffwechsel von Eiweißen im Körper notwendig. Ein Mangel an diesem Vitamin kann zur Bildung von Oxalatsteinen (Art der Harnsteine) im Urin führen. Wenn das Futter sehr eiweißreich ist oder wenige essentielle Fettsäuren enthält, steigt gleichzeitig der Bedarf an Vitamin B6-Bedarf.

Ein Mangel an Vitamin B6 führt zu Appetitlosigkeit, einem gestörten Wachstum, es ist sogar eine Anämie möglich. Die meisten Futtermittel weisen ausreichende Mengen an Vitamin B6 auf, so dass Mangelerscheinungen nicht zu erwarten und auch in der Praxis nicht bekannt geworden sind. Vitamin B6 verträgt weder Hitze noch Licht. Beim normalen Garprozess gehen ca. 40% verloren.

Folsäure

Folsäure ist Teil des Kohlenhydratstoffwechsel und des Aufbau von Eiweißen. Folsäuremangel gibt es bei Hunden praktisch nicht, denn ihre Darmbakterien produzieren es für sie. Folsäure im Übermaß bei einem Bluttest kann allerdings auf eine gestörte Darmflora hinweisen.

Biotin

Auch Biotin wird von den Darmbakterien des Hundes gebildet. Nur bei gestörter Darmflora ist ein Mangel möglich. Allerdings kann auch rohes Eiweiß (Eiklar), wenn es im Übermaß gegeben wird, die Aufnahme von Biotin stören. Bei Biotinmangel sieht man Hautveränderungen und Fellverlust. Im Stoffwechsel ist Biotin an der inneren Atmung der Zellen, alos der Energiegewinnung beteiligt.

Vitamin B12 (Kobalamin) für den Hund:

Vitamin B12 kommt nahezu in allen Körperzellen vor und ist für die Zellteilung wichtig. Deswegen machen sich Mängel an Vitamin B12 in den Knochenmarkzellen, wo die Erythropoese (Bildung von roten Blutkörperchen) statt findet, bemerkbar. Relativ schnell kommt es für Anämie. Störungen des Dünndarms, des Magens, der Pankreas (Bauchspeicheldrüse) oder verstärkte bakterielle Besiedlungen des Darms führen zu einem Mangel an Vitamin B12. 

Das Vitamin B12 kommt nur in Futtermitteln tierischer Herkunft vor, insbesondere aus der Leber. Eine Ergänzung ist stets bei rein vegetarischen Rationen angezeigt. Das Vitamin B12 wird auch von Hitze, vom Licht und durch Sauerstoff zerstört. Deswegen sollten gut schließende Behälter zur Aufbewahrung unter Kühlung benutzt werden. Eine ständige Zufuhr von Vitaminen der Gruppe B belastet die Leber, da diese dort gespeichert und je nach Bedarf wieder freigesetzt werden. Die Zugabe dieserVitamine ist bei gesunden Tieren mit einer normalen Darmflora deswegen unnötig.

Vitamin C für den Hund:

Dieses Vitamin kann ein Hund (oder ein Pferd) ausreichend in der Leber oder den Nieren selbst herstellen. Daher ist eine Zufuhr über das Futter im Allgemeinen nicht nötig. Bei Infektionen, Lebererkrankungen oder nach Operationen und bei sehr stark arbeitenden Hunden (Schlittenhunderennen) hat sich eine zeitweise Zugabe von Vitamin C bewährt. Zu viel Vitamin C bei gesunden Hunden verminderte aber die Aktivität des Immunsystems - die "Fresszellen" (Phagoyzten) waren weniger aktiv.

Dieses Vitamin ist empfindlich gegen Sauerstoff und verträgt weder Hitze noch längere Lagerung. Beim Kochen gehen ca. 40% verloren - was nicht so schlimm ist, weil der Hund es selbst herstellen kann.

Zur Haltbarkeit der Vitamine allgemein kann man also sagen, dass es viel darauf ankommt, mit wie viel Grad eine Hundenahrung erhitzt wird. Beim „Selbstkochen“ ist nicht sicher, ob nicht Futter zu hoch erhitzt wird und dann der größte Teil der Vitamine zerstört wird. Kommerziellen Hundefutter mit standardisierten Herstellungsprozessen bei sehr hohen Temperaturen wird ein "Übermaß" bei der Herstellung zugegeben. Andererseits gelingt es dem Menschen seit Jahrtausenden, eine Ernährung ohne "Vitamin-Zählen" gut zu überleben. Auch auf gelegentliche Mangelsituationen hat die Natur den Hund eingerichtet. Das heißt aber nicht, dass die Vitaminversorgung des Hundes nicht einige Gedanken verdient.

Grundsätzlich gilt, dass der Gehalt eines Futtermittels an Vitaminen – je nach Herstellung (Hitze schädigt) und Verpackung (Vitamine sind lichtempfindlich) - im Laufe der Zeit geringer wird.

Vitamine in der Therapie

Bei manchen Krankheiten können Vitamine zur schnelleren Heilung beitragen. So hilft Vitamin B bei der Nervenregeneration, z.b. nach einem Bandscheibenvorfall. Vitamin C kann bei Arthrose hilfreich sein. Und in der Orthomolekularen Medizin werden hohe Dosen von Vitaminen verwendet, um Krankheiten zu behandeln.

Vitamine können in der Therapie helfen. Ein Übermaß kann allerdings auch sehr schädlich sein. Denn Vitamine sind an allen wichtigen Reaktionen im Körper beteiligt. Veränderungen in diesen biochemischen Reaktions-Gleichgewichten toleriert ein Körper nur in gewissen Maß.

Üblich und nötig sind bei gesunden Hunden Vitamin-Gaben nur in bestimmten Fällen: Wenn eine selbst-hergestellte Ration ausgeglichen werden soll, oder eben bei Krankheit.

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